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Im Kampf gegen die Mafia balancieren Mexikos Kirchenvertreter auf Messers Schneide

April 23, 2009

In ein “heikles Thema” hat sich vergangene Woche der Erzbischof der mexikanischen Stadt Durango eingemischt. Joaquín Loera Guzmán, genannt “El Chapo”,einer der meistgesuchten Drogenbosse in Mexiko , solle in einer Stadt im Bundesstaat Durango leben. “Alle wissen es, nur die Polizei nicht”, hatte Erzbischof Hector Gonzalez Martinez (70) bei einem Pressegespräch behauptet. Daraufhin forderten die Staatsanwaltschaft wie auch oppositionelle Politiker, der Erzbischof solle sich erklären. Wenn er etwas über den Aufenthalt von “El Chapo” wisse, müsse er dies anzeigen, hieß es. Nun sah sich der Sprecher des Erzbischofs am Wochenende gezwungen, Journalisten die Aussage zu erklären, da Gonzalez selbst nicht für ein Statement zur Verfügung stand.
Die Aussage sei aus dem Kontext genommen, beschwichtigte der Bischofssprecher den Radioreporter von Radio Formula. Erzbischof Gonzalez habe, wie es seine Natur sei, die Sache beim Namen genannt und nur wiedergegeben, was den Priestern der Diözese von den Gläubigen vorgebracht werde, nämlich dass die ganze Bevölkerung unter Angst und Unsicherheit leide. Dies treffe auf Durango zu wie auf die ganze Nation.
Hintergrund des Medieneklats ist der Fastenhirtenbrief von Erzbischof Gonzalez. Darin hatte er das Leiden der Bevölkerung unter der Gewalt der Drogenkriege mit der Passion Christi verglichen. In den letzten beiden Jahren habe die Gewalt Ausmaße angenommen, die an das Wüten der Mafia in Sizilien oder Chicago erinnere, so Gonzalez.Jede Woche erfahre man von neuen Schiessereien, Explosionen, Entführungen, Hinrichtungen. “Wie traurig ist es, dass viele taub sind oder dass sie sich an die Umstände gewöhnen”, entrüstet sich der Erzbischof. Und er fährt fort : “Die Leute fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen und ungeschützt.” Der Autorität gelinge es nicht, den inneren Frieden herzustellen, heisst es im Hirtenbrief.

Der Oberhirte hat Grund zur Sorge. Allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres wurden über 150 Hinrichtungen im Drogenmilieu gezählt; eine Steigerung von über 500 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die massive Entsendung von Militär in die Brennpunktstädte scheint von wenig Erfolg gekrönt. Das Morden geht ungebremst weiter; die Hinrichtungsmethoden werden immer brutaler.
Die Unsicherheit führe zu einer Psychose unter der Bevölkerung, räsoniert der Diözesansprecher. Es sei nicht auszuschließen, dass bei manchen Erzählungen der Leute die Fantasie mit durchgehe. Hier vernünftige Untersuchungen durchzuführen sei schwierig, meinte er im Radiointerview. Ohne nähere Ausführungen zu machen, warnte der Sprecher auch davor, dass Äusserungen wie die des Erzbischofs sehr riskant und gefährlich seien.
Der Erzbischof von Tijuana Rafael Romo Munoz, weiß davon ein Lied zu singen. Als er gegenüber der Polizei von einer deutlichen Zunahme von Entführungen zur Erpressung von Lösegeld als neue Einkommensquelle der Mafia sprach, habe man ihm unterstellt, nicht die Wahrheit zu sagen, verriet der Erzbischof Radio Vatikan. Hohe Kirchenvertreter balancieren auf Messers Schneide, wenn sie anklagen. Sie sorgten sich aber weniger um ihr eigenes Leben, als um das Leben von Priestern und Laien, die nicht selten Drohungen erhielten, mit denen aber letztlich der Bischof zum Schweigen gebracht werden soll, verraten einige im Vertrauen.

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