
RESPEKT – ein Fremdwort?
Juni 17, 2009“Die gibt’s leider nicht”, war die lapidare Antwort des Verkehrspolizisten auf die Frage, ob es keine Regeln für das Verhalten der Autofahrer gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern – vorzugsweise Radfahrern – gibt. “Heißt das, die können mich ohne weiteres umbringen?” war meine verblüffte Reaktion. “Ja!” kicherte der Polizist.
Dass in Mexiko Führerscheine ein Witz sind, weil sie erkauft werden können, weiß ein jeder. Dass das Menschenleben – zumindest im Straßenverkehr – nichts wert ist, weiß, wer Fußgänger und Radfahrer beobachtet und sich selbst einmal in die Rolle eines unbedarften Pedaltreters schwingt.
“Verrückt” und “lebensmüde” nennen mich daher meine Freunde und Bekannten, weil ich mich jeden Morgen zur Hauptverkehrszeit auf meinen Drahtesel setze und die paar Kilometer durch unsere immer interessante Innenstadt zur Schule fahre. Jeden Morgen riskiere ich dabei aber auch Kopf und Kragen: Da schneidet mich das Taxi von links, der Bus von rechts und von hinten hupt eine ungeduldige Mutter im SUV, die offensichtlich in letzter Minute die Kinder zur Schule bringen muss.
Der allmorgendliche Kampf mit dem angeblich Stärkeren bringt mich zu meinem Thema: RESPEKT.
Laut deutschem Rechtschreibduden bedeutet Respekt: “zurückblicken”.
Genau das meine ich auch: Zurückblicken in den Rückspiegel und nicht in den Spiegel des Schminkkoffers oder das Spiegelbild des Handys, zwei Spiegel, die Autofahrer/innen immer ablenken. Wer nämlich in den Rück- oder den Aussenspiegel schaut, der sieht Fahrradfahrer und Fußgänger und nimmt – hoffentlich – mehr Rücksicht auf die Schwächeren.
Respekt bedeutet aber noch viel mehr, wie folgendes Beispiel zeigt:
“Respekt!” …
-bedeutet einen anderen Menschen anzuerkennen und zu achten, so wie er oder sie ist.
-ist für jede Beziehung wichtig, damit sie gelingt.
-beruht auf Gegenseitigkeit.
-heißt Rücksicht und Wertschätzung im Umgang mit anderen Menschen – unabhängig von Alter, sozialer Stellung, Herkunft oder Beruf.
-bedeutet auch Achtung gegenüber mir selbst. Ich will geachtet und respektiert werden und… ich will mich selbst achten!
- ist gewaltlos.
- steht nicht immer für das, was jemand hat oder kann. Entscheidend ist, wer jemand ist.
-ist wichtig, um Grenzen überwinden zu können und anderen Menschen so zu begegnen, wie sie sind.
-macht unser Leben reicher und unser Zusammenleben wertvoller. Mit “Respekt” gibt es etwas zu entdecken!
(aus der “Respekt – Youth for Peace”-Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland im Jahr 2007)
Mit diesen Gedanken zum Thema Respekt im Straßenverkehr möchte ich meine Leser zu neuen Kommentaren einladen.